Flexitarier, Puddingvegetarier - Was verbirgt sich dahinter?

Stand: 03/30/2017
Flexitarier, Puddingvegetarier – Was verbirgt sich dahinter?

Das Thema Vegetarismus findet zunehmend öffentliches Interesse. Immer mehr Menschen verzichten ganz oder teilweise auf Fleisch auf dem Teller.

Vegetarismus in Reinform ist eine Ernährungsweise, bei der ausschließlich oder überwiegend pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen verzehrt werden. Vegetarier verzichten auf Fleisch von Tieren und teilweise auch auf andere tierische Produkte, wie Milch oder Eier. Der englische Begriff vegetarian ist seit 1839 belegt und wird oft in Zusammenhang gebracht mit dem Wunsch nach einer alternativen Lebensweise, dem Streben nach einem gesunden Leben oder mit ethischen Grundsätzen, z.B. keine Tiere zu töten oder zu quälen.

In den letzten Jahren ist der Anteil der Menschen, die sich für eine vegetarische Ernährungsform entscheiden, deutlich gestiegen. Der Ernährungsbericht von 2016 zitiert als aktuellste Zahlen die Ergebnisse einer in 2013 von den Universitäten Göttingen und Hohenheim durchgeführten repräsentativen Onlinebefragung, wonach sich 3,7% der ab 18-jährigen vegetarisch ernähren.

Erfasst sind:

  • die Ovo-Lakto-Vegetarier, die auch Milch, -produkte und Eier verzehren
  • die Lakto-Vegetarier, die auch Milch und Milchprodukte verzehren und
  • die Veganer, die auf sämtliche tierische Produkte, auch auf Lederwaren verzichten.

Der Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU) bezieht sich auf verschiedene Umfragen und kommt auf höhere Zahlen. Danach gäbe es im Januar 2015 7,8 Millionen Vegetarier (rund 10% der Bevölkerung) und etwa 900.000 Veganer.
In der Tat lässt sich die Zahl derjenigen, die sich nach vegetarischen Grundsätzen ernähren, nicht exakt benennen. In ihrem Buch "Vegetarische Ernährung" erklären Prof. Claus Leitzmann und Dr. Markus Keller das mit den unterschiedlichen Auffassungen darüber, was einen Vegetarier ausmacht.

Gruppen, die besonders von sich reden machen, sind die etwas abfällig als „Puddingvegetarier“ bezeichneten Menschen und die so genannten „Flexitarier“.
Was ist darunter zu verstehen?

Puddingvegetarier verzichten in ihrer Ernährung in der Regel aus ethischen Gründen zwar auf Fleisch und Fisch, stellen aber ansonsten ihre - oft ungünstigen - Ernährungsgewohnheiten nicht um. Sie befassen sich selten mit den Grundsätzen des echten Vegetarismus. So stehen Vollkornprodukte und Gemüse nicht selbstverständlich auf dem Speiseplan, während man dem Konsum von Fertigprodukten und Süßigkeiten eher zugeneigt ist. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Bedarf an Nährstoffen nicht ausreichend gedeckt wird und gesundheitliche Probleme auftreten.


Anders ist die Ernährungsweise von Flexitariern zu bewerten.
In den USA kennt man diesen Begriff schon länger. Gemeint sind damit Menschen,
die zwar Fleisch essen, das aber sehr bewusst und maßvoll tun. Auslöser für diese Ernährungsform ist oft ein gestiegenes Umwelt- oder Gesundheitsbewusstsein oder beides zusammen. Bei der Auswahl von Fleisch sind Flexitarier sehr anspruchsvoll. Sie wählen Fleisch von guter Qualität, bei dessen Herstellung auf Tierschutz geachtet wird. In Deutschland wird der Anteil der Flexitarier auf knapp 12% der Bevölkerung beziffert.

Im Grunde entspricht der Verzicht auf den Konsum von Fleisch- und Fleischprodukten an mindestens drei Tagen in der Woche den allgemeinen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) von höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche.
Flexitarier sind darüber hinaus in Sachen ausgewogene Ernährung gut beraten, wenn sie viel Obst und Gemüse im Sinne der Empfehlung von „5-am-Tag“ und Vollkornprodukte in ihren Speiseplan einbauen.
Mit einer solch abwechslungsreichen Ernährung kann der Nährstoffbedarf besonders bei den Vitaminen C, E und Folsäure sowie bei Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen sehr gut gedeckt werden.

Dass der Flexitarismus im Trend liegt, zeigt eine Forsa-Studie, die bereits mehr als die Hälfte der Deutschen zu dieser Gruppe zählt, ohne dass sich die meisten selbst so bezeichnen würden. Aber auch die Zahl derjenigen, die sich bewusst für diese neue Ernährungsweise entscheiden, nimmt zu. In den Niederlanden gibt es eine eigene Homepage mit Angeboten von Metzgern, die spezielle vegetarische Fertigmahlzeiten anbieten und das weltweit größte Cateringunternehmen „Compass Group“ startete in Amerika eine Initiative mit dem Slogan „Be a Flexitarian“.
Die „echten“ Vegetarier mag das alles nicht überzeugen. Sie lassen den Flexitarismus höchstens als Einstieg und Übergangsphase zum reinen Vegetarismus gelten.

Fazit

Flexitarier sind flexible Vegetarier, die ihren Fleischkonsum bewusst einschränken und möglichst wenig, nur selten oder nur bestimmte Qualitäten von Fleisch essen. Sie stehen für einen gemäßigten, nachhaltigen und qualitätsorientierten Verzehr von Fleisch. Auch das Tierwohl, Umweltaspekte und ein verstärktes Gesundheitsbewusstsein spielen bei der Wahl dieser Ernährungsform eine Rolle. Aus Sicht der Ernährungsberatung hat ein „Flexitarier“ einen ausgewogenen Speiseplan und ist mit Nährstoffen gut versorgt.

Hingegen widerspricht die Lebensmittelauswahl eines Puddingvegetariers sowohl den Grundsätzen eines „echten“ Vegetariers als auch den Empfehlungen der DGE. Gesundheitsförderliche Überlegungen bleiben außen vor.


Quellenangaben und weiterführende Informationen:






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