Gartentipp Mai 2021- Ameisen, manchmal lästig

Gartentipp Mai 2021

Ameisen, manchmal lästig

So praktisch jeder von uns kennt diese wuseligen, kleinen Krabbler. Immer unterwegs, nie Ruhe oder Stillstand. In der Natur sind sie als Gesundheitspolizei unterwegs indem sie tote Tiere entsorgen. Außerdem jagen sie so ziemlich alles was sie überwältigen können, Raupen, Schnecken, Spinnen, Käfer usw. Zusätzlich tragen die Unermüdlichen zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Ihre Wichtigkeit in der Natur ist unbestritten. Nur ist es wie so oft im Leben. Alles hat die berühmt-berüchtigten zwei Seiten. Auch bei uns vorkommende Arten können als Hygiene- und Materialschädlinge unangenehm sein. Wer ein solches Problem, z. B. mit Pharaoameisen im Lebensmittelbereich, hat ist nicht zu beneiden. Da muss der Schädlingsbekämpfer eingreifen. Ich bleibe mal schön bei den gängigen, Rasenameisen, Wegameisen und so. Als Gartenmensch haben sie bestimmt schon gesehen wie die Krabbler, Wachhunden gleich, Pflanzenschädlinge schützen. Blattläuse werden gegen ihre natürlichen Feinde verteidigt. Sie schaffen es Marienkäfer und Florfliegenlarven von ihnen fern zu halten. Ameisen ernten den Zuckersaft von Pflanzensaugern. Auch können Ameisen in größeren Nestern Bodenplatten lockern und grundsätzlich Unebenheiten verursachen bzw. zu Sackungen auf Wegen führen.


Plattenfugen werden ausgeräumt

Rasenfreunde zeigen sich nur begrenzt über einen Besatz auf ihrem heiligen Grün begeistert. Sie kommen in Nestern mit tausenden Individuen vor. Bei Rasenameisen sind das schon mal mehrere zehntausend Tierchen. Viele von uns kennen die großen Nester der Waldameisen. Da herrscht ein stetiges Kommen und Gehen. Die sind ja im Wald, was uns nicht stört. In diesem Ökosystem nehmen sie eine wichtige Kontrollfunktion war. Wehe wenn die sich auf den Kinderspielplatz verirren. Ruck zuck machen die sich am Holzgestell zu schaffen. Noch weniger Freude löst ein Ameisenvorkommen im Haus und ums Haus aus. Da ekeln sich nicht wenige, bis hin zur Panik. Allerdings sind die in unseren Gefilden heimischen Arten keine mörderische Gefahr wie sie in Horrorfilmen vorkommen. Halt lästig und unangenehm durch ihre Bisse. Selbstverständlich reagieren Allergiker heftiger auf diesen Kontakt. Insbesondere während der sommerlichen Schwarmzeit kann es zu unangenehmen Situationen kommen. Da dringen fliegende Tiere auch mal ganz schnell in den Wohnbereich vor. Auch im restlichen Jahr, so ab Frühling, sind ihre Späher auf Suche und wehe sie haben eine Futterquelle in unseren Räumlichkeiten entdeckt. Sicherlich hat die Masse von uns schon diese sogenannten Ameisenstraßen gesehen. Hier folgt einer Karawane gleich, ein Tier dem anderen.


Klassische Ameisenstraße

Durch Duftstoffe finden die den Futterplatz und bringen den Ertrag ins Nest. Haben die Betroffenen den Eingang ins Haus entdeckt, gilt einfach mal alle Schotten dicht. Wie sie das machen ist erstmal zweitrangig. Hauptsache da kommt nix mehr rein. Allerdings ist es auch von Bedeutung dafür zu sorgen dass die Futterquellen wegkommen. Alles was in Frage kommt, süßes, eiweißhaltiges ist zu beseitigen bzw. so zu verstauen dass es nicht mehr erreichbar, auffindbar ist. Saubermachen und im Auge behalten. Falls sich doch noch einzelne Ameisen blicken lassen kann gleich eingegriffen werden. Außer dem aktiven Eindringen von außen können wir auch selbst die Lästlinge einschleppen. Beim Pflanzenkauf oder durch überwinternde Kübelpflanzen. In der Erde können Eier oder Tiere vorkommen. Die vermehren sich und beginnen im Innenbereich herumzustromern. Einzelne Exemplare können aufgekehrt, aufgesaugt, irgendwie eingefangen und rausgebracht werden. Klar, schon etwas aufwendig. Eine gängige Methode zur Bekämpfung im Hausbereich sind die Ameisenköderdosen. Diese kommen möglichst im bevorzugten Aufenthaltsbereich der Tiere zum Einsatz. Ich stelle sie nicht nur dort hin wo ich sie vermute, sondern vor allem an/auf ihre Straßen. Es geht darum die stete Zuwanderung zu unterbinden. Daher sind Insektensprays, die aufgespritzt werden, nicht ausreichend wirksam. Aus den Nestern ist ein anhaltender Zustrom gesichert. Der Köderdoseninhalt wird nicht vor Ort verzehrt. Die Arbeiterinnen bringen ihn ins Nest zur Verfütterung an die Brut. Dort entfaltet der Wirkstoff seine volle Wucht. Egal wie der naturnahe Mensch es sieht, ob notwendig oder überzogen. Gleiches gilt für die selbst gemischten Rezepturen mit Hefe, Zucker, Backpulver usw. Tierschonender sind die auch nicht. An „Nervengift“ sterben oder zerplatzen, keines davon ist angenehm. Das Ameisennest stirbt letztendlich ab. So ist vorerst von diesem keine weitere Belästigung aus möglich. Im Garten besteht die Möglichkeit durch Störung des Nestes, sofern es auffindbar ist, die Ameisen in eine andere Ecke zu vertreiben. Ich hab solange im Nest mit einem Stock gerührt bis sie vom Gemüsebeet in eine wilde Gartenecke ausgewandert sind. Es brauchte keine Heißwasser-/Wasserkur. Mir sind schonende Maßnahmen allemal lieber als Abräumaktionen. Nur müssen die auch eine brauchbare Wirkung zeigen. Viele Vertreibungsmittel auf Duftbasis sind keine dauerhafte Hilfe. Kurzfristig ja, aber wenn der Duft verflogen ist kommt es bald wieder zur Neubesiedlung in dem alten Bereich. Was sie natürlich nicht davon abhalten soll trotzdem solche aufwendigeren Verfahren zu nutzen. Mancher Hobbygärtner hat auch Erfolg mit dem Umsetzen des Nestes. Bekannt sind mit Stroh, Heu oder Holzwolle gefüllte Töpfe. Diese stellen die Betroffenen über die Brutstätte. Eventuell stört man das alte Nest etwas um den Umzug anzuregen. Oft wandern die Ameisen aber auch so ins neue Heim. Alles zusammen kommt dann an einen Platz wo die Tiere sich einnisten können. Deshalb erst mal überlegen ob sie wirklich so störend sind. Vertreibung geht vor Bekämpfung. Probieren von Alternativen zu Insektenbekämpfungsmitteln ist auf jeden Fall für den umweltbewussten Gartenfreund ein Muss.



Hans Willi Konrad, DLR R-N-H Bad Kreuznach
Alle Bilder Hans Willi Konrad





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