Alles zum Qualitätssicherungssystem QS-GAP

Alles zum Qualitätszeichen Rheinland-Pfalz (QZ-RP)

(Rheinische Monatsschrift, 17/2007)
Qualitätssicherung im Obstbau –
Notwendigkeit oder lästiges Übel?

Äpfel vom Direkterzeuger, Birnen bei Rewe, Pflaumen bei Aldi, Kirschen bei Lidl, Pfirsiche bei Tengelmann, Mirabellen bei Edeka – Obst kann der Endverbraucher mittlerweile über viele Vertriebskanäle erstehen. Doch erfüllt die angebotene Ware allerorts auch den gleichen Qualitätsstandard? Der Handel kümmert sich darum, mittlerweile garantieren selbst die Discounter bestimmte Qualitäten, so dass der Kunde sich meist darauf verlassen kann, in den Regalen gute Ware zu finden. Die Anbieter bedienen sich dabei der gängigen Qualitätssicherungssysteme, so dass sich die Frage, warum ein Obstbaubetrieb an einem dieser Systeme teilnehmen, also sich zertifizieren lassen sollte, eigentlich von selbst beantwortet. Zwar garantiert dieses System nicht generell bessere Ware, denn schließlich kommt es nicht zuletzt auch darauf an, wie der Anbieter als letzte Stufe vor dem Konsumenten mit dem sensiblen Produkt Obst umgeht (hier gibt es leider nicht wenige schlechte Beispiele). Dennoch: Die Rückverfolgbarkeit der Ware ist ein wichtiges Kriterium, was zumindest den Produzenten Beschwerdefreiheit garantiert.
Die Forderung nach zertifizierter Ware wird vom Handel aufgestellt, der die Sicherheit der angebotenen Produkte und deren Rückverfolgbarkeit gewährleisten muss. Dies wird an die Absatzorganisationen weitergegeben und ist vom Erzeuger zu erfüllen. Bereits seit mehreren Jahren werden Betriebe zur Teilnahme an einem Qualitätssicherungssystem aufgefordert. Diese Vorgehensweise hat sich seit 2006 enorm verstärkt, da der Handel zunehmend nur noch zertifizierte Ware abnimmt. Das kann so weit führen, dass Betriebe, die nicht zertifiziert sind, von der Vermarktung ausgeschlossen werden. So ist die Teilnahme an einem Qualitätssicherungssystem im Obstbau mittlerweile als Absatzsicherung anzusehen.
Den Anfang machten nach Marktaufforderung die umsatzstärksten Betriebe, um den größten Anteil des angelieferten Obstes als zertifiziert vermarkten zu können. Nach und nach lassen sich nun auch kleinere Betriebe gemäß den Anforderungen der Systeme kontrollieren. Auch selbstvermarktende Erzeuger, die ihr Obst nicht über einen Großmarkt absetzen, lassen sich mittlerweile zertifizieren. Meist sind nämlich noch weitere Verkaufskanäle vorhanden, um Übermengen abzusetzen. Auch diese fordern zunehmend zertifizierte Ware.
Welche Systeme gibt es nun und welche Anforderungen kommen bei einer Teilnahme auf die Betriebe zu? Bis Anfang 2006 gab es zwei Qualitätssicherungssysteme im Obstbau: QS und EurepGAP. Seit März 2006 kann auch eine Kontrolle nach den Kriterien von QS-GAP durchgeführt werden. Dieser Standard erfüllt die Anforderungen sowohl von QS als auch von EurepGAP. QS-GAP hat sich mittlerweile etabliert und ist der Prüfstandard, der am häufigsten umgesetzt wird. Die Angaben im weiteren Verlauf des Artikels beziehen sich daher auch auf QS-GAP. EurepGAP wurde mittlerweile aufgrund seiner weltweiten Bedeutung in GlobalGAP umbenannt.
Die Kontrollen erfolgen jährlich und eine Prüfung findet auf drei Ebenen statt: Zunächst einmal ist eine betriebliche Eigenkontrolle durchzuführen. Der Obstbauer hat dazu eine Checkliste mit den gleichen Prüfkriterien, die auch der externe Kontrolleur im Betrieb anwendet. Diese auszufüllen ist unbedingte Grundlage einer jeden Kontrolle. Anhand dieser Liste ist zu überprüfen, inwiefern die geforderten Kriterien bereits erfüllt werden und was im Betrieb noch zu erledigen ist. Des Weiteren erfolgt eine vor Ort-Kontrolle durch ein unabhängiges Prüfinstitut. Darüber steht dann nochmals eine Kontrolle dieser Prüfinstitute, die ebenfalls gewisse Voraussetzungen erfüllen müssen.
Diese Checkliste erscheint auf den ersten Blick sehr umfangreich. Sie ist jedoch konzipiert für die Bereiche Obst, Gemüse und Kartoffeln, womit nicht alle Anforderungen für jeden Betrieb relevant sind. So gibt es Prüfkriterien, die nur bei der Zertifizierung von Kartoffeln berücksichtigt werden müssen. Auch entfällt der Bereich der Nachernte bei Obstbaubetrieben.
Ware, die von Betrieben stammt, die nach QS oder QS-GAP geprüft sind, darf unter bestimmten Voraussetzung mit dem QS-Prüfzeichen ausgezeichnet werden. Diese sind dann erfüllt, wenn neben dem Erzeuger auch der Fruchthandel und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zertifiziert sind, also eine stufenübergreifende Qualitätssicherung garantiert ist. Somit sind auch für den Kunden die angewandten Qualitätsstandards deutlich erkennbar. Nach Angaben von QS sind im Bereich des LEH mittlerweile über 8000 Filialen im System zugelassen.
Die Anforderungen von QS-GAP beziehen sich auf folgende Bereiche:
  • Allgemeine Systemanforderungen
  • Betriebsführung
  • Anforderungen an den Standort
  • Nachhaltige Bodenbearbeitung und Bodenschutz
  • Aussaat/Pflanzung
  • Gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
  • Düngung
  • Pflanzenschutz/Nacherntebehandlung
  • Bewässerung und Wassereinsatz vor der Ernte
  • Wassermanagement
  • Ernte und Transport
  • Lagerung und Handhabung von Produkten
  • Dokumentation von Betriebsmitteln, Rückverfolgbarkeit, Kennzeichnung und Zeichennutzung
  • Verpacken von Ernteprodukten
  • Hygienemanagement
  • Handhabung nicht selbst erzeugter Ware
  • Umwelt- und Naturschutzplan
  • Abfallmanagement, Recycling und Wiederverwendung
  • Arbeitssicherheit und soziale Belange
  • Beschwerdeverfahren
Um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten ist die Dokumentation der im Betrieb durchgeführten Maßnahmen unumgänglich. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf Düngung und Pflanzenschutz gelegt. Es muss erkenntlich sein, wie die Flächen gedüngt (regelmäßige Bodenuntersuchungen auf die Hauptnährstoffe sind hierbei unerlässlich) und welche Pflanzenschutzmaßnahmen bei den im Anbau befindlichen Sorten durchgeführt wurden. Zum Pflanzenschutz sei noch angemerkt, dass die Geräte selbstverständlich eine gültige Prüfplakette aufweisen (“Spritzen-TÜV”) und alle Anwender den Sachkundenachweis besitzen müssen.
Es werden größtenteils die gute fachliche Praxis sowie geltende Gesetze und Verordnungen mit überprüft, die jeder Betrieb bisher auch erfüllen musste. Jeder Obstbauer produziert Lebensmittel und unterliegt daher der Lebensmittelhygieneverordnung, hat also gewisse Anforderungen, wie die jährliche Unterweisung aller Mitarbeiter in den hygienischen Umgang mit Erzeugnissen, zu erfüllen. Dies muss in der Betriebskontrolle nachgewiesen werden (beispielsweise durch Unterschriftslisten der Mitarbeiter).
Der Pflanzenschutz allgemein ist ein sensibler Bereich. Auch der Gesetzgeber fordert unter anderem die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln durch sachkundige Anwender sowie die Einhaltung der Wartezeiten. In diesem Zusammenhang kommt auch der Lagerung der Pflanzenschutzmittel eine zentrale Rolle zu: Alle Pflanzenschutzmittel sind als wassergefährdende Stoffe eingestuft und müssen daher unter anderem auslaufsicher gelagert werden. Eine Überprüfung dieser ohnehin einzuhaltenden Auflagen kann auch durch die Fachrechtskontrollen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) erfolgen.
Zur weiteren Absicherung der Produktqualität dient das QS-Rückstandsmonitoring, an dem QS-GAP-Betriebe automatisch teilnehmen. Dieses wird auf den Stufen Erzeugerbetrieb, Fruchthandel und in den Logistikzentren des Lebensmitteleinzelhandels durchgeführt. Auf Erzeugerebene sieht das Monitoring vor, dass bei 35 Prozent der bereits kontrollierten Betriebe Fruchtproben genommen und diese nach den Vorgaben von QS untersucht werden.
Werden an Betriebe aus dem Ausland die gleichen Anforderungen gestellt? Ja, denn gerade GlobalGAP ist ein internationales System, auf dessen Basis in etlichen Ländern weitere Standards anerkannt wurden. In Deutschland wurde QS-GAP eingeführt, in Südamerika wird Chile-GAP angewandt und in der Schweiz gibt es seit letztem Jahr Swiss-GAP. Die grundlegenden Anforderungen sind hierbei nahezu die gleichen. Unterschiede gibt es allerdings in der Wahl der Pflanzenschutzmittel, was in der nationalen Zulassung begründet ist.
Um auch weiterhin langfristig Ware absetzen zu können, wird man um eine Zertifzierung also nicht umhin kommen. Dies gilt gerade unter dem Aspekt, dass die meisten Fruchthandelsunternehmen nur noch zertifizierte Ware annehmen. Die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Integrierter Obstanbau Rheinland-Pfalz e.V. (AGIO) bietet teilnehmenden Betrieben eine Inanspruchnahme des kompletten Beratungsangebotes; die AGIO stellt sämtliche Dokumentationsvorlagen zur Verfügung, berät umfassend zu den erforderlichen Maßnahmen und vermittelt die Kommunikation mit den zuständigen Stellen.
Zum besseren Verständnis der Arbeitsweise der AGIO sei hier kurz die Vorgehensweise bei einer Beratung skizziert: Bei einem Betriebsrundgang wird die Lagerung der Pflanzenschutzmittel, evtl. auch der Düngemittel in Augenschein genommen, ebenso die Bereiche, in denen mit dem Obst umgegangen wird wie zum Beispiel Sortierung oder Lagerung: Ist die Schutzausrüstung komplett? Gibt es ein Bindemittel, um eventuell verschüttete Pflanzenschutzmittel aufzufangen? Sind die Lampen bruchsicher? Hängen die nötigen Schilder, etc? Danach wendet man sich den auszufüllenden Unterlagen zu: Wie ist die Düngung zu dokumentieren? Wie sind die Pflanzenschutzmaßnahmen aufzuzeichnen? Hierzu gibt es entsprechende Unterlagen. Übrigens erfolgt die Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen durchaus auch im eigenen Interesse des jeweiligen Betriebsleiters. So sind die Erfolge (oder auch Misserfolge) der angewandten Maßnahmen über einen langen Zeitraum hinweg dokumentiert und nachprüfbar. Misserfolge können so im Folgejahr eher vermieden werden. Letztendlich gibt es Hilfestellung beim Ausfüllen der Eigenkontrollcheckliste, die die Grundlage einer erfolgreichen Betriebskontrolle bildet. Anhand dieser Liste kann der Betriebsleiter selbst überprüfen, inwieweit er die an ihn gestellten Anforderungen bereits erfüllt. Alle weiteren in dieser Liste geforderten Nachweise erhalten die Mitgliedsbetriebe als Vorlagen von der AGIO. Auch die nötigen Aushänge, sei es die Betriebsanweisung zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln oder ein Notfallplan (selbstverständlich auch in Fremdsprachen) werden gestellt. Diese geben Hilfestellung zum Verhalten im Gefahrfall und dienen somit einer zusätzlichen Absicherung, beispielsweise gegenüber der Berufsgenossenschaft.
Diese Aufzählung erweckt natürlich den Eindruck, dass eine Zertifizierung mit großem Aufwand verbunden ist. Dies stimmt allerdings nur bedingt: viele Maßnahmen müssen nur einmalig erbracht werden, wie zum Beispiel die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Lagerung der Pflanzenschutzmittel. Andere Kriterien wie zum Beispiel die Unterschrift der Mitarbeiter nach der Hygieneeinweisung sind jährlich, aber recht einfach zu erfüllen.
Fazit: Die Teilnahme an einem Qualitätssicherungssystem bedeutet zwar ein gewisses Quantum an Arbeit, garantiert jedoch dem Anbieter die Erfüllung der von den Handelsketten gestellten Anforderungen und somit den sicheren Absatz des Obstes: zum Beispiel Äpfel vom Direkterzeuger, Birnen bei Rewe, Pflaumen bei Aldi, Kirschen bei Lidl, Pfirsiche bei Kaufland und Mirabellen bei Edeka.


Susanne Auhl
Ringberaterin und Geschäftsführerin der AGIO
Wormser Straße 111
55276 Oppenheim
Tel.: 06133 / 70604
Fax. 0671 / 92896542
E-Mail: agio@dlr.rlp.de

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Qualitätszeichen Rheinland-Pfalz



Gegen Jahresende 2006 wurde das “Qualitätszeichen Rheinland-Pfalz” ins Leben gerufen. Damit wird die Vermarktung mehrerer Produktbereiche unter einem Qualitätszeichen mit der Herkunftsangabe Rheinland-Pfalz möglich. Die Lebensmittel müssen nach festgelegten Kriterien erzeugt worden sein. Im Wesentlichen entsprechen die Anforderungen denen der Qualitätssicherungssysteme. Die Produkte müssen nachweislich aus Rheinland-Pfalz stammen. Dieses Zeichen gibt es bereits seit längerem in Baden-Württemberg für die dort erzeugten Produkte.
Das Land als Lizenzgeber vergibt (vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau) auf Antrag das Recht zur Nutzung des Zeichens an Organisationen der Land- und Ernährungswirtschaft. Im Bereich Obst und Gemüse ist bereits die Marktgemeinschaft Rhein-Main-Pfalz und Thüringen Lizenznehmer.
Die Überprüfung in diesem System erfolgt ähnlich wie im QS-System: Eigenkontrolle des Betriebsleiters, neutrale Kontrolle durch ein Prüfinstitut sowie die Kontrolle der Kontrolle. Die Vorort-Kontrolle der Betriebe wird durch die Agrar-Control-GmbH (ACG) erfolgen, die mittlerweile für dieses Prüfverfahren akkreditiert ist. Die ACG führt in Rheinland-Pfalz auch größtenteils die Audits im Rahmen der Qualitätssicherungssysteme durch. Für das Qualitätszeichen Rheinland-Pfalz werden jährlich 25 % der Betriebe überprüft. Bei QS- oder GlobalGAP-Teilnehmern können die Anforderungen des Qualitätszeichens in dieser Kontrolle mit abgeprüft werden.
Die Supermarktkette EDEKA Südwest will nach eigenen Angaben Produkte mit ihrer regionalen Handelsmarke “Unsere Heimat – echt und gut” anbieten, die das Qualitätszeichen tragen. Im Gegensatz zu den meisten Handelsmarken soll hier nicht der Preis im Vordergrund stehen, sondern die Herkunft und Qualität. Bei EDEKA Südwest sollen so Produkte aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen vermarktet werden. Vorwiegend werden Kernobst und Gemüse (Spargel) mit Qualitätszeichen bei EDEKA gehandelt.

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